Trekkingabenteuer vor der Haustür: Wer erst mal in der Nähe üben möchte, bevor er oder sie sich die Mehrtagestour durch die Alpen zutraut, ist auf dem Rhein- oder Westerwaldsteig richtig – die Wege sind nicht ganz so alpin und dennoch eine sportliche Herausforderung.

Der Weg stürzt steil bergab. Zwischen lichten Laubbäumen geht es hinunter ins Tal, wo ein schmaler Pfad durch blühende Wiesen am leise plätschernden Flüsschen entlang führt – bevor er wieder sportlich ansteigt, hinauf auf die Höhen des Westerwalds. Gut, dass unsere Wahl bei der Tourenvorbereitung auf echte Wanderschuhe statt auf Turnschuhe gefallen ist. Auch wenn dies „nur“ der Westerwald-Steig ist:

Hier geht es zur Website des Naturparks Rhein-Westerwald.

Wer die ganze Tour mit ihren knapp 240 Kilometern geht, bewältigt immerhin fast 5000 Höhenmeter. Wir, zwei Freundinnen aus Bonn, haben den Westerwaldsteig gewählt, um Kondition und Ausrüstung für unsere erste Alpenquerung zu testen. Daher sind wir deutlich schwerer bepackt auf dieser Tour als die Familien oder Wochenendwanderer, die uns unterwegs begegnen.

Wanderparadies vor der Haustür
Wer sich, wie wir, mit Rucksack und Wanderschuhen auf eine längere Tour begeben möchte, muss nicht in ferne Länder reisen. Einige der schönsten Fernwanderwege gibt es direkt vor der Haustür. Im Naturpark Rhein-Westerwald – zwischen Bonn und Koblenz und östlich des Rhein gelegen – treffen sich gleich zwei davon: Rheinsteig und Westerwaldsteig. Der etwas berühmtere Rheinsteig am Rande des Rheintals glänzt mit großartigen Ausblicken über Fluss und Weinberge, mit hübschen Uferstädtchen wie Unkel oder Linz und mit vielen Einkehrmöglichkeiten am belebten Rhein­ufer. Dieses Teilstück des Rheinsteigs im unteren Mittel­rheintal ist – im Gegensatz zum oberen Mittelrheintal – fast noch ein Geheimtipp. Hier gibt es statt der weltberühmten Loreley die nicht weniger spektakuläre Erpeler Ley. Der Aufstieg ist steil, aber dafür hat man einen weiten Blick über Rheintal und Eifel. Wir belohnen uns im Ausflugscafé mit köstlichem Apfelkuchen, bevor wir uns auf den Weg machen, der von hier aus Richtung Süden führt.

Mehr Rhein oder mehr Wald?
So schön es am Rhein auch ist – spätestens in Bad Hönningen steht die Entscheidung an: Weiter am Rhein oder lieber auf den ruhigeren Westerwaldsteig wechseln und eintauchen ins Wiedtal und in die weite Hügellandschaft des Westerwalds? Das Wiedtal mit seinen schönen kleinen Städtchen, den ruhigen Seitentälern und den Klöstern, die zu Rückzug und Pilgerwandern einladen, ist alleine schon einen Kurzurlaub wert. Es liegt mitten im Herzen des Naturparks und bietet zahlreiche kurze und längere Wällertouren für Genusswanderer, die die Region entspannt entdecken möchten.

Kulturgeschichte erwandern
Eine ganze Woche sind wir auf Rhein- und Westerwaldsteig unterwegs und könnten einfach immer so weitergehen. Die Ausrüstung hat sich bewährt. Aber die Bücher werden wir bei der nächsten Tour zuhause lassen. Jedes Gramm zählt, und zum Lesen sind wir abends sowieso zu müde. Aber eines ist sicher: Nach der Alpenquerung kommen wir ganz bestimmt wieder – zum Beispiel, um auf den Spuren der Kelten und Römer zu wandeln, die die Region bereits vor Jahrtausenden geprägt haben.

Auf dem RömerWeltWeg oder dem Römer- und Keltenwanderweg kann man Kastelle, Pallisaden und Wachtürme entdecken, die hier im hart umkämpften Grenzgebiet zwischen germanischem und römischem Territorium entstanden sind – und natürlich den von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichneten Limes, der als größtes Bodendenkmal Deutschlands den Naturpark zwischen Bad Hönningen und Bendorf-Sayn quert und sich bestens im Rahmen einer Wanderung auf dem Limes-Wanderweg erkunden lässt.

Lage: Der Naturpark Rhein-Westerwald liegt rechtsrheinisch im Norden von Rheinland-Pfalz zwischen Neuwied und Unkel und reicht vom Rhein über die rechtsrheinischen Terrassen hoch hinauf bis auf die ersten Höhenrücken des Nieder-Westerwaldes.

Fläche: 470 km2

Charakteristik: Den besonderen Reiz des Naturparks Rhein-Westerwald macht seine räumliche Dreiteilung aus: der typische Mittelrheincharakter mit dem Wechsel aus Weinbergen und sonnigen, steilen Felshängen, das nach Osten hin verlaufende Wiedtal mit seinen Prall- und Gleithängen sowie der angrenzende Westerwald mit seinem welligen Höhenflur.

Anfahrt:

Mit der Bahn ist der Naturpark entlang der Rheinschiene gut zu erreichen. Mit dem Auto geht es über die A48 (Ausfahrt Neuwied/Bendorf) und weiter über die B42 Richtung Bonn. Mehrere Ausfahrten an der A3 zwischen Linz/Bad-Honnef und Dierdorf.

Kontakt:


Naturpark Rhein-Westerwald
Augustastraße 7– 8
56564 Neuwied
Tel. +49 (0) 2631 956 60 36
www.naturpark-rhein-westerwald.de